Sonntag, 25. Juni 2017

Lamsenspitze (2508m) über Brudertunnel (Klettersteig C)

Gefühlt sprechen gerade alle davon: Der Bergsteigerbus in die Eng fährt wieder! Also nichts wie hin, für ein bisschen Würze über den Brudertunnel-Klettersteig auf die Lamsenspitze.


Auch wenn ich eine Verfechterin der Anreise mit öffentlichen Verkehrsmittel in die Berge bin: 3 Stunden Zug- und Busfahrt sind schon ein kleiner Hammer. Aber gut, was tut man nicht alles, um die Umwelt zu schonen und sich selbst das Im-Stau-Stehen auf dem Rückweg zu ersparen. Nachdem ich um 6:10 Uhr in Freising gestartet war, stieg ich um 9:20 Uhr am Alpengasthof Eng (1203m) aus dem Bus und startete Richtung Lamsenjochhütte.

Ich versuchte, relativ zügig voran zu kommen - zum einen, da ich testen wollte, ob der 16:30 Uhr-Bus erreichbar sein könnte, und zum anderen, weil der Weg bis zum westlichen Lamsenjoch (1940m) über große Strecken auf breiten, monotonen Almstraßen verläuft. Wenigstens strahlten die Blumen um die Wette.




Vom westlichen Lamsenjoch ist es schließlich nicht mehr weit bis zur Lamsenjochhütte (1953m).



Hier ging ich gleich weiter; eine Einkehr würde sich unter Umständen später noch ausgehen. Am nächsten Abzweig bog ich nach links Richtung Brudertunnel ab. In dem mittelschwierigen Klettersteig waren bereits einige Personen unterwegs.


Nachdem ich kurz pausiert und mich mit Klettergurt und Klettersteigset ausgerüstet hatte, querte ich die letzten Meter hinüber zur steilen Wandflucht. Gemäßigt ging es los...


... schon bald wurde es steiler. Hier nutzte ich brav das Klettersteigset, wobei das Umhängen mit jedem Mal nerviger wurde.


Sobald es einfacher wurde, verzichtete ich daher auf eine Sicherung und kam entsprechend schnell voran. Spannend wird es noch einmal am eigentlichen Brudertunnel: Über eine abdrängende Querung erreicht man die nass-kalte "Höhle" (diese ist mehr ein felsiger Durchschlupf; eine Lampe ist nicht vonnöten).


Nach einem kurzen sandigen Stück geht es schließlich noch einmal senkrecht hinauf - fast Kategorie C/D in meinen Augen.


Anschließend tritt man auf der Südseite in die Sonne, ein herrliches Panorama eröffnet sich.


Nachdem ich mich des Kletterequipments entledigt hatte, setzte ich meinen Weg auf dem guten Pfad durchs feine Geröll fort. Ein kleiner Schock dann am nächsten Wegweiser: Noch 1,5 Stunden sollte es bis zum Gipfel dauern?! 3 Stunden war ich bereits unterwegs. Das mit dem frühen Bus würde ich mir also abschminken können. Tatsächlich zieht sich der Weg noch einmal ganz schön und ist dank der südseitigen Ausrichtung dazu recht schweißtreibend.


An der Südwand der Lamsenspitze ist dann auch nochmal zupacken angesagt: Über einen leichten (A/B) Klettersteig geht es hinauf - ein Helm ist hier aufgrund des losen Gesteins kein Luxus! Geübte Geher können dagegen auf eine Sicherung verzichten.


Oben dann noch ein paar Meter im Geröllhang und ein paar Meter ungesicherte Kraxelei (I)...


... und nach ca. 4 Stunden steht man endlich am höchsten Punkt. Es war 13:20 Uhr (vom 1,5 Stunden-Schild schafft man es tatsächlich in gut 45 Minuten); es blieben also noch 3 Stunden für den Abstieg, wenn ich den frühen Bus erwischen wollte. Eigentlich sicher gut zu machen... Doch gleich wieder zusammenpacken und hinunter hetzen? Nein, dazu war es viel zu schön. Etwas westlich des Gipfels suchte ich mir ein einsames Plätzchen und genoss die Ruhe, die Sonne, das Panorama.





Irgendwann war natürlich trotzdem der Zeitpunkt des Aufbruchs gekommen. Vorsichtig, um auf dem gerölligen Untergrund nicht ins Rutschen zu kommen oder Steine loszutreten, stieg ich ab, nutzte bereitwillig die Seilsicherungen am Gipfelklettersteig und flanierte anschließend auf dem schmalen, aber gut angelegten Weg genüsslich bis zur Lamsenscharte.


Hier kurz kraxelnd bergab, dann ein paar Meter durch ein letztes Schneefeld und schließlich mit einer knieschonenden ein zeitsparenden Abfahrt durch den Geröllhang wieder zur Lamsenjochhütte.


Auf der Sonnenterrasse gönnte ich mir eine Spezi und eine Kaspressknödelsuppe und kam mit einer netten Regensburgerin, die ebenfalls alleine unterwegs war, ins Gespräch. Da sie zumindest erstmal den gleichen Rückweg hatte wie ich, bot sie mir an, mich bis nach Tegernsee mitzunehmen. Eine schöne Sache, da ich somit letztendlich nicht nur eine Stunde früher zuhause war als ich es mit dem 18:35 Uhr-Bus aus der Eng gewesen wäre, sondern da ich außerdem nicht den Weg in die Eng nocheinmal gehen musste, sondern ins wunderschöne Falzthurntal absteigen konnte.


  • Tourdatum: Sonntag, 18.06.2017
  • Zeitbedarf: 4 Stunden für den Aufstieg aus der Eng, 2 Stunden für den Abstieg zur Gramaialm
  • Höhenmeter: 1300

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