Mittwoch, 25. September 2013

Bei Traumwetter auf den Schafreuter (2101m)

Was macht eine Bergverrückte wohl, wenn die DAV-Wettervorhersage folgendermaßen lautet: "Kaum Wolken und ungetrübte Fernsicht zwischen Arlberg und Karwendel, ein paar Wolken zwischen Ortler und Dolomiten, unterm Strich in diesen Regionen also nahezu perfektes Bergwetter"? Ganz klar, sie steigt auf einen Aussichtsgipfel! Eigentlich war ja der Wankspitz-Klettersteig geplant, aber wegen Krankheit des DAV-Tourenleiters wurde diese Tour leider abgesagt. Eine neue Begleitung für die Wanderung auf den Schafreuter im Vorkarwendel wurde mit Steffi vom Gipfelglück-Blog aber schnell gefunden.

Das Auto stellten wir am Parkplatz an der Oswaldhütte ab. Wer hier nicht vorher mal in die Karte geschaut hat, läuft Gefahr, einen wunderschönen 
Teil der Tour zu verpassen, folgt er einfach dem Schild am Parkplatz. Dieses führt den ahnungslosen Wanderer nämlich bis kurz vor die Moosenalm (also circa 700 Höhenmeter) wenig spannend, aber anstrengend auf einem steilen Fahrweg empor. Geht man vom Parkplatz allerdings ein kleines Stückchen an der Straße zurück, zweigt rechts ein schmaler Pfad ab, der sich durch einsames Waldgebiet schlängelt. Er ist 
zwar markiert, ein Schild taucht aber erst nach etwa anderthalb Stunden auf. Wer hier allerdings noch nicht weiß, wohin er unterwegs ist, der sollte meiner Meinung 
nach sowieso lieber zuhause bleiben... Irgendwann lichtet sich der Wald und man trifft auf den Fahrweg, den man jedoch schnell wieder verlässt. Über das Kälbereck und den Nordwestrücken geht es nun stetig, aber doch noch recht langwierig dem Gipfel entgegen. Oben angekommen überkommt einen dann ein Glücksgefühl, das sich nur schwer in Worte fassen lässt: Der Rundumblick ist bei klarem Wetter wirklich phänomenal! Hier sagen Bilder wirklich mehr als tausend Worte - auch wenn man leider die Gesamtheit der Gipfelschau nur schwer einfangen kann.

Nordwesten: links die Soierngruppe, im Hintergrund der Walchensee mit Heimgarten und Herzogstand

Norden: Sylvensteinstausee mit Benediktenwand

Osten: Ganz hinten, etwas links der Bildmitte der Guffert (2195m), weiter rechts das Rofangebirge
  
Südosten: Links nochmal das Rofan, rechts die Karwendelberge, ganz hinten die Hohen Tauern

Großglockner (links) und Großvenediger (rechts) im Zoom

Süden: Karwendel mit Lalidererspitze (2588m) ganz links und der schon recht schneebedeckten Birkkarspitze (2749m) links der Bildmitte, ganz rechts über dem Schneekar die Leutascher Dreitorspitze (2682m)

Im Zoom: Die bereits winterliche Zugspitze

 
Nur schwer konnten wir uns vom Panorama losreißen, doch uns erwartete ja auch noch Kuchen und Bier auf der Tölzer Hütte. Der Abstieg durch die Südflanke verlangt noch einmal Trittsicherheit, die kritischeren Stellen sind aber mit Seilen gesichert. Sehenswert ist natürlich der schöne Steinmanngarten, den man auf dem Weg passiert (Bild rechts mit Blick zurück zum Schafreuter). Nach einer leckeren Stärkung auf der sonnenverwöhnten Terrasse muss man sich dann für 
eine der beiden Abstiegsvarianten entscheiden. Wir wollten weder über den Aufstiegs- noch über den Fahrweg zurückgehen, also wählten wir den Steig zum "offiziellen" Parkplatz der Hütte. Auch ein schöner Weg, nur leider hat diese Runde den Nachteil, dass man im Tal gut dreieinhalb Kilometer an der Straße entlang zum Auto zurückgehen muss. 

  • Zeitbedarf: Mit großzügigen Pausen (allein am Gipfel sechzig Minuten) etwa 8 Stunden
  • Höhenmeter: 1200 sowohl im Auf- als auch im Abstieg

Samstag, 21. September 2013

Zweieinhalb Tage im Rätikon, Teil 2

Der zweite lange Tag unserer Hüttentour führte uns von der Douglass- zunächst in Richtung Carschinahütte. Um 8 Uhr war es noch sehr kalt und
ein kräftiger Wind bließ. Außerdem erwarteten wir aufgrund der Wettervorhersage und der dichten Wolken zumindest den einen oder anderen Regenschauer. Zu unserer Freude blieb es allerdings weitgehend trocken, nur die Wege glichen mancherorts einer Schlammpiste.
Dadurch, dass die Douglasshütte am nördlichen Rand des Lünersees liegt, muss man diesen wiederum halb umrunden, was nicht anstrengend ist, aber Zeit kostet. Danach geht es bergauf zum Gafalljoch (2239m). Schon von hier kann man erahnen, welch eindrucksvolle Landschaft einen beim Weiterweg
begleiten wird: Mehr oder weniger direkt unterhalb der senkrechten Südwände der Kirchlispitzen spaziert man leicht absteigend auf einem schmalen Wanderpfad Richtung Osten. Hier erspähte ich auch die ersten Steinböcke meiner Wanderkarriere - ein echtes Highlight dieser Tour! Das Schweizer
Tor (Bild links) passierten wir an diesem Tag auf der anderen Seite, und nun ragten die Südwände der Drusenfluh über uns empor. Wir setzten unseren Weg auf dem Rätikon-Höhenweg Süd fort, welcher uns ein wenig von den
steilen Wänden weg und in typische Murmeltierwiesen hinein führte. Während einer Pause holte ich sogar meine Sonnenbrille hervor; leider blieb es insgesamt aber bedeckt. Bis zum Abzweig Carschina-hütte/Drusentor zieht sich der Weg noch einmal, wobei man auch hier wieder tolle Einblicke diesmal in die Südabstürze der Drei Türme hat. Auch die Sulzfluh erscheint immer
mächtiger (Bild links), und man kann sich gut vorstellen, dass der Südostwand-Klettersteig viel Kraft und Ausdauer fordert. Wir hatten uns ja
eigentlich vorgenommen, noch auf der Carschina- hütte (2236m) zu übernachten und montags die Sulzfluh (2818m) zu überschreiten. Da die Vorhersage für den kommenden Tag allerdings recht schlecht war und wir nicht davon ausgingen, noch einmal so viel Glück mit dem Wetter zu
haben, entschieden wir uns dafür, doch schon sonntags nach Hause zu fahren. Zum unsicheren Wetter kam noch erschwerend hinzu, dass unser Abstieg über die Nordseite der Sulzfluh hätte geschehen müssen, von der wir aber nicht wussten, wieviel Schnee in den teils wohl steilen Geröllfeldern liegen würde. Wir wendeten uns also Richtung Drusentor (2343m), welches wir um 14 Uhr erreichten. Da von Norden schnell Wolken in die Flanke, die zur Lindauer Hütte (1744m) führt, zogen, bekam der Abstieg einen leicht mystischen Beigeschmack. Der Weg ist jedoch gut markiert, sodass die Orientierung kein Problem darstellt. An der Lindauer Hütte widerstanden wir der Versuchung, uns für einen leckeren Kaiserscharrn in die Stube zu setzen, da wir noch einmal etwa 700 Höhenmeter Abstieg nach Latschau zu bewältigen hatten, und jedem von uns noch eine nicht allzu kurze Heimreise bevorstand.

Insgesamt muss ich sagen, dass ich die Länge dieser Etappe unterschätzt habe. So wäre der Sulzfluh-Klettersteig am nächsten Tag auch bei strahlendem Sonnenschein für mich sicher kein Spaziergang gewesen. Schade wiederum ist, dass ich am gesamten Wochenende auf keinem einzigen Gipfel stand. Und auch wenn die Tour aufgrund der spektakulären Umgebung trotzdem keinesfalls vergeudete Zeit war, weiß ich doch sicher, dass ich für Drusenfluh, Sulzfluh und vielleicht auch die Drei Türme und die Kirchlispitzen wiederkommen werde!

Weitere Bilder >> hier <<

Montag, 16. September 2013

Zweieinhalb Tage im Rätikon, Teil 1

Es ist immer wieder schön, mal in andere Gebirgsregionen als die Bayerischen Alpen zu fahren, und so freute ich mich auf das Wochenende im österreichisch-schweizerischen Grenzgebiet ganz besonders. Wir starteten aufgrund von Stau etwas verspätet am kostenfreien Parkplatz des Stausees in Latschau. Zur Lindauer Hütte (1744m) benötigt man etwa zwei Stunden, wobei diese gut im Dunklen zu gehen sind. Glücklicherweise bekamen wir auch um kurz nach halb neun noch etwas Warmes zu essen, und auch unser
4er-Zimmer war sehr gemütlich. Trotz des vielen Schnees der vergangenen Tage wollten wir am folgenden Tag auf dem Weg zur Douglasshütte die Drusenfluh (2827m) besteigen. Dort hinauf führt der alpine Klettersteig
"Blodigrinne" (C), welcher immer wieder von ungesichertem Gehgelände in mäßig steilen Schutthängen unterbrochen wird. Zu Beginn des ersten längeren Klettersteigabschnittes gibt es zudem die Möglichkeit, eine schwierigere Variante
(D) zu wählen. Da es entgegen der Vorhersage am Morgen noch einmal geregnet hatte und der Fels daher stellenweise recht nass war, ließen wir diese jedoch aus und stiegen über die leicht geneigte Platte zum nächsten Schuttfeld. Hier lag bereits so viel
Schnee, dass keine Wegspuren mehr zu erkennen waren. Einzelne Punkte an den verstreut herumliegenden Felsen wiesen zwar den Weg, aber da das Wetter leider nicht durchgehend sonnig war, sondern
im Gegenteil immer wieder dichte Wolkenfelder durchzogen, entschied ich mich gegen den weiteren Aufstieg. Ein Sichtverlust aufgrund von tiefen Wolken oder gar ein erneuter Niederschlag, der in dieser Höhe sicherlich aus Schnee bestanden hätte, hätte einen Rückzug schnell zu einem Ding des Unmöglichen machen können. Wir hatten
zudem aus Gewichtsgründen eine Menge Ausrüstung und vor allem Essen am Einstieg des Klettersteiges gelassen, sodass ich auf ein unfreiwilliges Biwak unter allen Umständen verzichten wollte. Auch die im oberen Teil der Rinne herabhängenden Eiszapfen wirkten nicht gerade sehr einladend... Obwohl das Wetter dann doch hielt
und ich mich zunächst ein wenig über den Abbruch meines Gipfelsturmes ärgerte, war ich im Endeffekt doch froh, meine verbleibende Ausdauer für
den Weiterweg zur Douglasshütte nutzen zu können. Dieser zieht sich nämlich nochmal ganz schön, und es ist ein nicht unerheblicher Gegenanstieg von der alten Zollhütte am Schweizer Tor zum Verajoch zu überwinden - landschaftlich ist das Ganze dabei wirklich grandios (links z.B. die Kirchlispitzen). Auch die halbe Umrundung des Lünersees verschlingt am Ende noch einmal eine satte Stunde. So kamen wir schließlich
gegen halb sechs an der Hütte, die gleichzeitig auch Bergstation der Lünerseebahn ist, an. Zwar handelt es
sich um eine AV-Hütte mit allen Vergünsti-gungen für Mitglieder, man fühlt sich aber eher wie in einem Bergrestaurant. Entgegen unserer anfänglichen Vorurteile gestaltete sich unser Aufenthalt dort allerdings als sehr angenehm, was vor allem am zuvorkommenden Personal und dem gemütlichen 12er-Lager, welches wir ganz für uns hatten, lag. Auch das Essen schmeckt, und eine Halbpension für 21€ ist fast unschlagbar. Unsere Wecker stellten wir wieder auf sechs Uhr, auch wenn die Wettervorhersage für Sonntag eher schlecht war. Wir wollten uns jedoch in jedem Fall auf den Weg zur Carschinahütte machen und dort entscheiden, ob es sich noch lohnen würde, eine weitere Nacht im Rätikon zu bleiben.

In meinem >> flickr-Fotostream << gibt es in den nächsten Tagen noch ein paar Bilder mehr!

Mittwoch, 11. September 2013

Bike & Hike auf den Steinfalk (2347m)

Nachdem ich mir letzten Herbst ein gutes Mountainbike gegönnt hatte, wollte ich schon den ganzen Sommer einmal eine Bike & Hike-Tour unternehmen. Am 31.08. war es dann soweit: Wir fuhren mit dem Auto zu einem der vielen Parkplätze im Rißtal im Karwendel, um von dort auf den Steinfalk zu steigen. Den Weg durch das langgezogene Laliderertal legten wir dabei mit den Rädern zurück. Auch wenn solche Wege auf Karten oft sehr flach aussehen, muss man zwischendurch ganz schön in die Pedale treten. Es sind schließlich 526 Höhenmeter bis zum Lalidersalm Niederleger zu überwinden, und obwohl der Forstweg auch vor Ort nicht sonderlich steil aussah, merkten wir später bei der Abfahrt doch, dass wir bergab ziemlich viel Fahrt aufnahmen. Leider ist der Weg die meiste Zeit über weniger angenehm; der grobe Schotter verhindert ein
allzu schnelles Abfahren. Ab dem Niederleger geht es dann zu Fuß über einen einfachen Wanderpfad zur Falkenhütte (1848m), wobei wir anfangs ganz schön mit unseren schweren Beinen zu kämpfen hatten. Wir beschlossen, den Mahnkopf (2094m; Bild links) gleich auf dem Hinweg
mitzunehmen, da die Befürchtung bestand, dass wir dazu auf dem Rückweg keine Lust mehr haben würden. Auch aufgrund der Wolkenentwicklung war dies sicherlich keine schlechte Entscheidung. Die letzten Meter sind recht steil, die Aussicht entschädigt aber allemal für die Mühen. Vor allem der Blick zu den Laliderer Wänden beeindruckt. Für die meisten Besucher ist hier dann schon Schluss; wir begaben uns nach einer kurzen Pause jedoch auf den Weiterweg zum Steinfalk (Bild rechts). Weglos geht es eine Kuhwiese
hinab, bis man wieder auf den Pfad trifft, der um den Mahnkopf herumführt. Begleitet von Steilabbrüchen steigt man nun immer höher in die Südflanke des Steinfalks. Dort ist auf dem teils sehr schmalen und ausgesetzten Pfad Schwindelfreiheit und vor allem Trittsicherheit
gefragt. Gerade beim Abstieg sollte man unbedingt vermeiden, auf dem feinen Schotter unkontrolliert auszurutschen - die kurze Einser-Kletterstelle im festen Fels ist da fast einfacher zu überwinden. Um 14 Uhr erreichten wir schließlich den Gipfel und wie erwartet waren wir dort allein, was uns sehr freute. Leider ließ uns das Wetter ein wenig im Stich: Von einzelnen hohen Wolkenfeldern war in der Vorhersage die Rede gewesen, die Anzahl der blauen Flecken am Himmel verringerte sich jedoch zusehends, und beim Abstieg verhüllten die Wolken sogar den oberen Teil der Laliderer Wände. Es blieb allerdings die ganze Zeit über trocken, sodass wir uns auf dem Rückweg an der Falkenhütte noch eine leckere Portion Knödel auf der Terrasse genehmigten. Nach der anschließenden (mehr oder weniger) rasanten Abfahrt kamen wir gegen 18 Uhr wieder am Auto an und freuten uns über eine lange, aber gelungene Tour im wunderschönen Karwendel.

  • Zeitbedarf (mit Pausen): 9 Stunden
  • Höhenmeter: circa 1600 sowohl im Auf-, als auch im Abstieg
  • Mein Mitwanderer Felix hat die Tour >> hier << beschrieben

Blick zu den Laliderer Wänden vom Steinfalk

Wolkenstimmungen an der Falkenhütte

Sonntag, 1. September 2013

Über Gletscher, Felsen und einen kleinen Firngrat

Den krönenden Abschluss meines Hohe Tauern-Urlaubs bildete die Gletschertour auf die Hohe Riffl, ein 3338m hoher Berg mit einem wunderschönen Gipfelkreuz.

Doch zunächst einmal mussten wir die Oberwalderhütte (2972m) erreichen - ein Unterfangen, das sich als fast abenteuerlicher herausstellte als die Gipfelbesteigung am folgenden Tag. Wir hatten es auf der Hüttenhomepage bereits gelesen: Der Zustieg ist aufgrund von Bauarbeiten wohl noch bis Ende der Saison 2013 gesperrt. Das Hüttenteam versicherte uns jedoch telefonisch, dass der Behelfsweg von erfahrenen Bergsteigern problemlos genutzt werden könne, also trafen wir uns am Donnerstag, den 22.08. in Winklern (Kärnten), um von dort aus gemeinsam zur Franz-Josef-Höhe zu fahren. Die Straße gehört ab Heiligenblut zur Großglockner-Hochalpenstraße und kostet daher unglaubliche 33€ Maut pro Fahrzeug. Das Parken im mehrstöckigen Parkhaus mit Glocknerblick auf 2370m ist netterweise inbegriffen. Nachdem wir unsere Ausrüstung sortiert hatten, beeilten wir uns, den Massen von internationalen Sandalentouristen so schnell
wie möglich zu entkommen - das Touribild (oben) konnten wir uns allerdings nicht verkneifen. Beim Beginn des Gamsgrubentunnels empfing uns ein nettes Schild ("Sehr geehrte Gäste, sehr geehrte Alpinisten, für die Sicherheit unserer Gäste ist es erforderlich, dass der Gamsgrubenweg eine zusätzliche Steinschlag-Schutzverbauung erhält. [...] Ausschließlich erfahrene Alpinisten können daher derzeit den Weg auf eigene Gefahr
benutzen!") und innerhalb des ersten Tunnels lotsten uns weitere Schilder (Bild rechts) zum Umgehungsweg. Teils recht ausgesetzt ging es über Bauschutt und Eisenstangen, und entlang hangelnd an Baugeräten wieder zum eigentlichen Gamsgrubenweg, der uns in gemächlicher Steigung und auf breitem Weg bis zum "schönsten Jausenplatz Österreichs" auf 2548m brachte (Bild links). Mit wunderbarem
Blick auf den Großglockner ließen wir uns hier die Gelegenheit für eine Brotzeit nicht entgehen. Der Weiterweg folgt den Markierungsstangen über Gletscherschliff bis zum (ebenfalls markierten) Südlichen Bockkarkees, über dessen Ausläufer man weiter ansteigt. Trotz einiger aperer Stellen benötigten wir keine Steigeisen, da der Gletscher hier sehr flach ist. Im steileren Teil lag dagegen so viel weicher Schnee, dass sie auch dort nicht nötig gewesen wären. Zuletzt
geht es eine steile und erdige Schuttflanke hinauf, die ebenfalls gut markiert ist. Um kurz nach fünf erreichten wir dann die fast gänzlich von Gletschern umgebene Oberwalderhütte und gingen nach dem leckeren Abendessen (Gröstl) noch einmal die Spaltenbergung durch - für den nächsten Tag sollte dies sitzen...

 Die Oberwalderhütte

Spätnachmittaglicher Blick auf Johannisberg (Bildmitte) und Hohe Riffl (ganz rechts, unauffällig)

20:39 Uhr: Fuscherkarkopf mit Mond

5:30 Uhr: Es wird langsam hell...

Um 5:10 Uhr klingelte endlich der Wecker und erlöste mich vom Wachliegen im Matratzenlager nach vielleicht zwei Stunden Schlaf. Unser
selbst mitgebrachtes Frühstück verzehrten wir im Flur der Hütte, da dort das einzige Licht brannte. Umgeben von vielen Paaren am Vortag eifrig benutzter Bergstiefel war zwar die Umgebung nicht die schönste, aber was tut man nicht alles, um möglichst
früh unterwegs zu sein und damit den angekündigten Nachmittagsgewittern aus dem Weg zu gehen. Nachdem wir am Vorabend lange über mögliche Gipfelziele diskutiert hatten, fiel die
Entscheidung nun auf die Hohe Riffl, die uns von einer ebenfalls auf der Hütte anwesenden Hochtourenkursgruppe empfohlen wurde. Um 6:30 Uhr starteten wir bei aufgehender Sonne und eisigem Wind über den Pasterzenboden Richtung Nordwesten. Die Gruppe hatte an einem der Vortage bereits eine gute Spur gelegt, welche wir gerne
nutzen. In angenehmer Steigung ging es vorbei an der steilen Nordwand des Johannis- bergs zum Ausläufer des felsigen Südgrats der Hohen Riffl (Bild oben). Hier verstauten wir das Seil und stiegen über die teils schneebedeckten Blöcke zum kleinen,
aber toll verzierten Kreuz. Da der Wind glücklicherweise nachgelassen hatte, konnten wir die sonnige Gipfelrast und das wunderbare Panorama in vollen Zügen genießen. Neben dem Großen Wiesbachhorn präsentierten sich vor allem die Venedigergruppe und die nahegelegenen Gipfel des Johannisbergs und der Bärenköpfe, imposant auch der Blick auf den ausgedehnten Pasterzenboden.

Blick nach Süden zum Johannisberg, direkt links dahinter der Großglockner und unten sowie rechts auf dem Grat unsere Aufstiegsspur
 
Blick nach Westen zur Venedigergruppe

Blick nach Osten: links der Bildmitte die Bärenköpfe, unten der Obere Pasterzenboden 

Um kurz nach zehn nahmen wir schließlich schweren Herzens den Abstieg über den Nordostgrat (Bild links) in Angriff. Nach wiederum einigen verschneiten Felspassagen konnte ich den ersten (kleinen) Firngrat unter meine Steigeisen nehmen - ein tolles Gefühl. In einer Senke seilten wir
schließlich wieder an und folgten den Spuren zurück zur Hütte, die wir gegen 12 Uhr erreichten. Auch hier war es schwer, sich loszureißen, sodass wir noch einen ganze Weile auf der Terrasse saßen, bevor wir den restlichen Abstieg antraten. Um 15 Uhr waren wir am Auto, und obwohl sich langsam schon Quellwolken gebildet hatten, gewitterte es erst gegen Abend, als ich schon wieder in meinem Quartier in Virgen war.