Mittwoch, 31. Juli 2013

Little Brenta in Tirol

Schon zu Beginn des Jahres hatte ich mich für ein Klettersteigwochenende meiner DAV-Sektion angemeldet, und vergangenen Freitag war es dann soweit: Wir fuhren nach Haggen im Sellrain, wo wir uns für das Wochenende einquartiert hatten. Für den Samstag stand der Klettersteig auf den Steingrubenkogel auf dem Plan, welchen wir von der Kemater Alm (1673m) aus angingen. Bis zur Adolf-Pichler-Hütte (1977m; Bild links in der unteren Bildmitte)
geht es über einen Fahrweg, danach beginnt der steile, rutschige und teils ausgesetzte Aufstieg über schmale Pfade zur Alpenklubscharte auf 2451m. Hier zieht man am besten gleich die Ausrüstung für den Klettersteig an, denn nach wenigen Schritten geht es los: Über Bänder und einige ungesicherte und wiederum teils ausgesetzte Passagen dem Gipfel (2633m) entgegen. Dabei fühlt man sich
tatsächlich, als wäre man in den „Nordtiroler Dolomiten“ unterwegs. Trittsicherheit ist hier ein absolutes Muss, schwindelfrei sollte man ebenfalls sein. Bis auf eine C-Stelle in einem Kamin, der aber mit ausreichend Trittstiften versehen ist, ist der Klettersteig nur mäßig schwierig, bewahrt sich durch die alpine Umgebung jedoch seine Ernsthaftigkeit. Der Fels ist zwar überwiegend fest, hat aber an vielen Stellen eine Schotterauflage, sodass man verstärkt darauf achten muss, keine Steine loszutreten. Vor allem beim Abstieg sollte man außerdem an einigen (ungesicherten) Stellen nicht ins Rutschen kommen, da dies teilweise ziemlich böse enden könnte. "Trotz" alledem lohnt sich der Aufstieg schon alleine wegen der tollen Szenerien während der Begehung des Klettersteiges und wegen des grandiosen Panoramas am Gipfel. Abgestiegen wird auf dem Aufstiegsweg.

Gipfelaussicht gen Süden: Im Vordergrund Große Ochsenwand (2700m) und Schlicker Seespitze (2804m), im Hintergrund links markant der Habicht (3277m) und rechts die Stubaier Alpen

Gipfelaussicht gen Nordwesten: links die Sellrainer Berge, ganz hinten Mieminger Kette und Wetterstein, unten links die Adolf-Pichler-Hütte und weiter rechts die Kemater Alm

Der Steingrubenkogel von der kleinen Ochsenwand aus gesehen

Dienstag, 23. Juli 2013

5-Gipfel-Klettersteig im Rofan

Das geniale Sommerwetter des vergangenen Wochenendes musste einfach genutzt werden, und so verschlug es mich zum ersten Mal ins Rofangebirge, welches sich in wunderschöner Lage direkt am Achensee
befindet. Mit der Seilbahn geht es in etwa fünf Minuten 850 Höhenmeter hinauf zur Erfurter Hütte (1.834m), dem Ausgangspunkt der Tour. Da wir einen gewissen Andrang vermuteten, ließen wir den nach der klassischen Reihenfolge ersten Klettersteig, der von der Haidachstellwand hinab führt und damit
abgeklettert werden muss, aus und starteten gleich mit dem zweiten Klettersteig auf den Rosskopf (C/D). Direkt zu Beginn geht es steil und kraftraubend aufwärts (Bilder links und rechts). Zwischendurch erlauben kurze Abschnitte eine Verschnaufpause, bevor es wieder senkrecht zur Sache geht. Die Sicherungen sind vorbildlich, sodass an den heiklen Stellen keine allzu weiten Stürze zu erwarten sind (im Gegensatz zum Schuasta Gangl). Auch für das
Umklicken der Karabiner findet man fast immer eine bequeme und stabile Position. Unbedingt beachten muss man loses Gestein, ein Helm ist sowieso absolute Pflicht! Hat man den steilen Anfangsteil überwunden, geht es eher gemäßigt und zuletzt über einen sehr schönen Gipfelgrat zum höchsten Punkt (2.246m). Hier wird es
übrigens bei mehr als zehn anwesenden Personen eng; zum Glück waren entgegen unseren Befürchtungen nicht übermäßig viele Gipfelstürmer unterwegs. Nach einer kurzen Brotzeitpause nahmen wir den Normalweg mit einigen interessanten B-Passagen zu einer Scharte, wo sich der Wanderpfad mit der Routenführung des 5-Gipfel-Klettersteiges vereint. Gleich darauf trennen sich die Wege jedoch wieder und es geht zum Einstieg des Steigs zur Seerkarlspitze (Bild rechts) - meiner Meinung nach dem schönsten der von uns begangenen Steige.
Nach einer Veränderung der Routenführung am Ausstieg ist die Schwierigkeit allerdings von B/C auf D angestiegen! Die aktuelle Übersicht des gesamten Gebietes findet man auf der Seite der Rofanbahn. Gerade diese schwere Stelle ist mit etwas Klettergeschick und unter Mitnahme der Felsstrukturen jedoch sehr angenehm zu überwinden, während man gleichzeitig weiß, wie ausgesetzt man sich an der von weitem so glatt erscheinenden Wand befindet (Bild links). Oben angekommen zeigt sich der Gipfel (2.261m) wie er gegensätzlicher kaum sein könnte: Steile Felswände auf der einen Seite, sanfte Grashänge auf der anderen. Dementsprechend gemütlich geht es dann auch zunächst bergab
und über kurze gesicherte Stellen auf den nächsten Gipfel: das Spieljoch (2.236m). Hier bildet der Abstieg den Klettersteig, welcher zwar eine C-Stelle aufweist, aber durch das Abgleiten am Stahlseil keine klettertechnischen Probleme aufweist. Viel nervenaufreibender sind die extrem ausgesetzten Gratstücke, die zwar (fast) durchgehend gesichert sind, aber durch ihre steilen Abbrüche zu beiden Seiten für weiche Knie sorgen können (Bild
rechts). Nach einer kurzen Wanderung über einfache Pfade steht auch schon der letzte Klettersteig an. Auch hier geht es steil zur Sache, wobei es immer wieder Stellen gibt, bei denen ausschließlich am Fels geklettert werden kann. In meinen Augen ist der Aufstieg zum höchsten Gipfel des Rofan, dem Hochiss (2.299m), der zweitschönste der fünf bzw. vier begangenen Klettersteige. Rückblickend bin ich wirklich froh, die Herausforderung der "Kategorie D" angenommen zu haben, auch wenn der Einstieg des Rosskopf-Klettersteiges zunächst für eine gehörige Portion Skepsis sorgte.

Weil am Ende doch noch recht viel Zeit vorhanden war und um sozusagen den zu Beginn ausgelassenen Gipfel wieder gut zu machen, erwanderten wir auf dem Rückweg zur Seilbahnstation noch den Gschöllkopf (2.039m), einen
Aussichtsberg, der aber außer einer bei guter Fernsicht sicher interessanten Beinahe-360-Grad-Panoramatafel kaum etwas zu bieten hat, wenn man schon die vorherigen Gipfel erstiegen hat.


Blick auf die Dalfazer Wände vom Hochiss >>


Wunderschönes Rofan: In der Vergrößerung sieht man in der oberen Bildmitte einige Person, die gerade vom Spieljoch hinabklettern; links die Seekarlspitze, im Hintergrund mittig der Rosskopf
 

Mittwoch, 10. Juli 2013

Klettern in der Nordeifel

Was tut man nicht alles, um fern ab der Alpen im Heimaturlaub in NRW Outdoorsport betreiben zu können? Man leiht sich von einem Freund zusätzliche Expressschlingen aus, recherchiert Klettergebiete und Topos und fährt mit Seil, Gurt und Kletterschuhen im Gepäck mit dem ICE durch halb Deutschland! Unser Ziel am vergangenen Montag war die Nordeifel, wo es nahe der Stadt Nideggen, die man von meinem Heimatort in einer guten Stunde Autofahrt erreicht, einige Kletterfelsen mit einer großen Anzahl an leichten Routen gibt. Zusätzlich sollten laut DAV-Felsinfo die meisten Felsen "gut" abgesichert sein. Dass dieser Begriff recht dehnbar ist, habe ich dann vor Ort gesehen... Da die wohl am besten für Anfänger geeignete Wand, die "Vogelwand" leider gesperrt war, kletterten wir lediglich vier Routen: Den "Neuen Einstieg" (III-) am Affenfels, den "Schiefen Riss" (IV-) an der Hinteren Wand und zwei IIer-Routen ("Kiefernwändchen") an der Aachener Wand. Die letzte Route hat auf ihren circa zehn Metern nicht einen einzigen Haken, dafür aber auf halber Höhe die wohl namensgebende Kiefer, welche als Zwischensicherung herhalten musste. Somit habe ich nun meine erste Route selbst abgesichert ;)

Blick aus dem "Neuen Einstieg": Praktisch ist der Baum neben dem Sichernden, da man diesen dort gut "festmachen" kann, denn vor ihm gehts anderthalb Meter bergab

Der "Schiefe Riss" von unten...

... und von oben

Route mit Baum

Die beiden IIer-Routen im Überblick

Montag, 1. Juli 2013

Vier Köpfe über Schloss Linderhof

Was tut man, wenn man von einer Freundin aus dem DAV spontan gefragt wird, ob man am Sonntag mit wandern gehen möchte? Zusagen natürlich! Auch wenn die Wettervorhersage nicht allzu gut aussah (unbeständig mit kurzen Regenschauern,
später auch Sonnenschein), war die Verlockung doch zu groß, mit dem Auto einen Ausgangspunkt anfahren zu können, der sonst nur sehr langwierig mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist: Schloss Linderhof in den Ammergauer Alpen. Von dort geht es auf Weg Nr. 232 zunächst gemächlich und ohne viel Höhenunterschied, später in moderater Steigung zum August-Schuster-Haus (1564m). Der Pfad führt größtenteils durch Wald, bietet aber auch immer wieder Aussichten auf die südlicheren Ammergauer Alpen und die Zugspitze - wenn diese nicht in Wolken versteckt ist...
Bei den gestrigen Wetterverhältnissen trifft man hier wenige bis gar keine Menschen, dafür aber Gemsen! Auch auf dem Weg zum Teufelstättkopf (1755m) konnten wir einige Tiere beobachten, die sich durch uns nicht stören ließen. Die letzten Meter zum Gipfel sind drahtseilversichert, was uns bei der Kombination absolut speckiger Fels plus völlig verlehmte Schuhsohlen sehr entgegen kam, sonst aber eher übertrieben ist. Im Winter geht es weiter links hinauf. Aufgrund des kalten Windes und der leider getrübten Aussicht stiegen wir rasch wieder ab und verlegten unsere Gipfelrast in die tiefste Mulde zwischen den Felsen des Gipfelplateaus - mal was anderes! Weglos bestiegen wir danach den Latschenkopf (1758m), einen kaum lohnenden Gipfel ohne Kreuz und mit fast dem gleichen Panorama wie vom Teufelstättkopf. Weiter geht es dann
wieder auf schmalem Pfad an den durchaus beeindruckenden Ostwänden des Laubenecks vorbei; hier sollte man schwindelfrei sein. Die Besteigung dieses Gipfels von der Westseite ließen wir aus, da wir keine Lust hatten, uns durch Latschen zu kämpfen. Es gibt
anscheinend einen kleinen Pfad zum höchsten Punkt, doch war dieser nicht auszumachen. Hinzu kam noch, dass immer wieder Wolkenfelder durchzogen, die die Sicht auf bis zu 20m
reduzierten. Auf den nächsten Gipfel, den Hennenkopf (1768m) führt dagegen wieder ein markierter Steig. Von oben zeigen sich vor allem Klammspitzen und Kreuzspitze in markanter Weise. Auch die Brunnenkopfhütte, das nächste Etappenziel, ist weiter unten auszumachen. Man benötigt von hier aus aber noch circa 45 Minuten, die kurze Zeit direkt am grasigen Grat, dann auf der südlichen Seite der Gebirgskette zurückgelegt werden. Etwa
zehn Minuten vor Erreichen der Hütte mündet der Wanderpfad in eine Fahrstraße, wobei gleichzeitig auch die Anzahl der anwesenden Personen schlagartig ansteigt. Bevor wir uns eine ausgiebige Rast gönnten, ging es noch auf den Brunnenkopf (1718m), eine kleine Erhebung nahe der Hütte. Von hier lässt sich der Anstieg zu den Klammspitzen sehr gut erkennen, welcher jedoch noch einmal etwa drei Stunden (Hin- und Rückweg) verschlungen hätte (Bild rechts). Da die Zeit dafür nicht mehr ausreichte, stiegen wir ab und ließen die Tour auf der zeitweise sogar sehr sonnigen Terrasse der Hütte bei Kaiserschmarrn, Kuchen, Bier und Buttermilch gemütlich ausklingen. Bis hierher war kein Tropfen Regen gefallen, und auch beim Abstieg nach Schloss Linderhof (Weg 231) blieb uns die Sonne treu.