Dienstag, 21. Mai 2013

Auf das "Matterhorn Oberammergaus"

Die Rede ist vom Kofel, einem nur 1342m hohen, aber sehr markanten Gipfel direkt über Oberammergau. Während er von Norden aus fast unbesteigbar anmutet, ist er von Süden her relativ leicht zu erreichen. Zunächst geht es knapp eine Stunde über einen kurzweiligen Waldpfad zu einem Rastplatz mit Regenunterstand. Von dort gelangt man innerhalb weniger Minuten zum Einstieg des gesicherten Steiges. Dieser kann bei einem Mindestmaß an Trittsicherheit ohne Sicherheitsausrüstung begangen werden. Leider ist er dadurch auch sehr viel besucht, was sich in einer gewissen "Speckschicht" des Felsuntergrunds bemerkbar macht. An einigen Stellen ist außerdem Einbahnverkehr angesagt, was zu Wartezeiten führen kann, da der Steig von den Allermeisten auch wieder für den Abstieg benutzt wird. Nach einer sonnigen und ausgiebigen Gipfelrast taten wir das Gleiche, wählten für den weiteren Rückweg ins Tal allerdings den Königssteig - ein kleiner Umweg, der sich aufgrund des schön angelegten Pfades aber auf jeden Fall lohnt.

Aufstieg durch den Wald

Die schwierigste Kraxelpassage

Gipfelpanorama: Links im Hintergrund das Estergebirge, rechts die Notkarspitze

Blick Richtung Sonnenberggrat

Wunderschöne Szenen auf dem Königssteig

Der Kofel beim Abstieg - links die Nordwand

Dienstag, 14. Mai 2013

Von Bad Wiessee über Focken- und Geierstein nach Lenggries

Nach dem Klettersteig am 1. Mai stand mir für den Christi-Himmelfahrt-Donnerstag mal wieder der Sinn nach einer gemütlichen Wanderung mit schöner Einkehr. Es sollte auf den Fockenstein (1564m), einen der wohl meistbesuchten Gipfel der bayerischen Voralpen, gehen – allerdings nicht „einfach so“, sondern als Überschreitung von Bad Wiessee am Tegernsee nach Lenggries. Los geht’s an der Bushaltestelle „Söllbach“ (Bus Nr. 9559 von Gmund), zunächst zum
Hotel und Gasthof „Sonnenbichl“ und gleich darauf sehr steil und unschön quer über die Skipiste. Erst danach wird es gemütlicher; der Pfad führt durch Wald bis zur Waxelmoosalm, von wo aus man einen guten Blick auf den Fockenstein hat. Bis zur Einkehr an der Aueralm (1267m) bleibt man nun auf einem Fahrweg, den auch viele
Mountainbiker nutzen. Da wir genau zur Mittagszeit an der beliebten Alm ankamen, bekamen wir nur mit Glück einen Platz auf der aussichtsreichen Sonnenterasse und mussten für Bier und Kuchen circa 15 Minuten anstehen, obwohl die Wirtsleute wirklich flott
waren. Es hat sich jedoch gelohnt, und ich bin nun um eine Erkenntnis reicher: Helles und Blaubeerkuchen passen eigentlich ganz gut zusammen! Weiter geht es von hier ebenfalls kurz auf einer Fahrstraße, dann biegt man rechts in den Wald ein, in dem sich der Wanderpfad in Serpentinen dem Gipfel nähert. Dieser ist nach etwa dreißig Minuten
Gehzeit von der Alm erreicht. Wie erwartet war einiges los, doch wir ergatterten einen schönen Sitzplatz mit toller Aussicht auf Tegernsee (Bild rechts), Wendel-
stein, Risserkogel und Blankenstein, Hirschberg, Guffert, die Blauberge und Roß- und Buchstein mit der Tegernseer Hütte, um nur einige zu nennen. Auch den Wilden Kaiser, das Karwendel und Wettersteingebirge konnten wir erahnen. Da uns trotz Bewölkung die Sonne treu blieb, konnten wir uns nach einer weiteren ausgiebigen Rast nur schwer von diesem Logenplatz trennen. Doch wir wollten ja noch einen zweiten Gipfel, den Geierstein (1491m), mitnehmen und von dort nach Lenggries wandern. Vom Fockenstein braucht man bis zum Geierstein etwa anderthalb Stunden, wobei die Orientierung nicht ganz einfach ist – genau dies steht auch in der Beschreibung der Tour in
meinem Wanderführer „Mit Bahn und Bus in die Münchner Berge“, welche uns schließlich doch auf den richtigen Weg brachte. Beim Schlussanstieg auf den Geierstein darf man sogar noch ein wenig kraxeln, und auch der Gipfel an sich wirkt viel rauher als der des Fockensteins. Er bietet aber gleichzeitig eine tolle Sicht auf Lenggries und das gegenüberliegende
Brauneck und erfreut sich eines Gipfelkreuzes, welches fast überdimensioniert wirkt. Für den Abstieg sollte man eine gewisse Portion Trittsicherheit mitbringen, da es nun etwa 800 Höhenmeter auf teils sehr steilem und mit Felsen und Wurzeln gesprenkeltem Pfad hinab geht. In Lenggries muss man dann nur noch den Bahnhof finden und hoffen, dass man nicht gerade die BOB verpasst hat. Andererseits gibt es vor Ort auch genügend Biergärten, in denen man sich die Wartezeit verkürzen kann.

Freitag, 3. Mai 2013

Klettersteig "s'Schuasta Gangl"

Die Klettersteigsaison nach einem so langen Winter am 1. Mai einläuten zu wollen, ist natürlich eine kleine Herausforderung, da viele Steige so hoch liegen, dass man dort noch immer mit viel Schnee rechnen muss. Mit dem "Schuasta Gangl" auf die Steinplatte (1869m) bei Waidring hatten wir aber den perfekten Steig gefunden: Nicht allzu hoch gelegen, südseitig ausgerichtet und durchgehend abgesichert. Mit Schwierigkeit C
allerdings auch nicht unbedingt leicht. Schwierig gestaltete sich zunächst leider auch der Zustieg, da wir aufgrund der doch noch recht ausgeprägten Schneedecke unsere Abzweigung verpassten und über die Skipiste bis zur Bergstation der Waidring-Bergbahn aufstiegen. Laut Karte sollte es von dort ebenfalls einen Zugang zum Klettersteig geben, und oben angekommen wurde dies auch durch ein Hinweisschild
bestätigt. Trotz ausgiebigen Suchens konnten wir allerdings keinen Abzweig entdecken, sodass wir letztendlich wieder die Hälfte der Strecke absteigen mussten um auf den richtigen Weg zu kommen. Aber auch dort machte es uns der Schnee nicht einfach. Der Wanderweg war nicht zu erkennen und Spuren führten auf mehreren Routen durch den lichten Wald. Wir beschlossen, uns weglos zum Pfad direkt unter den Felsabbrüchen durchzuschlagen, der den Kletterern den Zugang zu
den vielen Routen der Steinplatte-Südwand ermöglicht. Eine halbe Stunde ging es von dort aus noch teilweise recht ausgesetzt und immer direkt an der Wand entlang zum Einstieg des Klettersteiges. Da uns die Suche nach
diesem etwa anderthalb Stunden gekostet hatte, legten wir gleich los – natürlich mit großem Abstand, denn die Zwischensicherungen liegen auch in den steilen Passagen sehr weit auseinander. Obwohl immer wieder Tritthilfen das Vorankommen erleichtern, sollte man den Klettersteig nicht unterschätzen. Gerade kleinere Menschen (wie ich es bin) erreichen den nächsten Trittbügel nicht immer ohne weiteres. So muss man sich oftmals recht
stark am Fels orientieren, was natürlich Spaß macht, aber auch ein wenig Klettergeschick erfordert. Auch das Stahlseil ist an einigen Stellen so angelegt, dass ich dieses wirklich nur noch zur Sicherung
verwendete und mich gänzlich über den Fels fortbewegte. Bei Nässe kann dies zu einem großen Problem werden, daher rate ich dringend davon ab, den Klettersteig in diesem Fall zu betreten. Während im Zu- und Abstieg noch sehr viel Schnee lag, war er bei unserer Begehung am 1. Mai übrigens vollständig aper. Auch die Sicherungen sind in einem Top-Zustand. Etwa im letzten Drittel des Steiges gibt es die Möglichkeit, eine Variante, den „Knieschladerer“ (C; Bild rechts) zu
klettern. Ich habe zwar keine weichen Knie bekommen, aber Höhe und Ausgesetztheit muss man schon vertragen können, da sich das kurze Stück um einen glatten Felsturm herumschlängelt, welcher Richtung Süden steil und tief abfällt. Klettertechnisch fand ich dagegen einige B/C-Stellen im
Hauptsteig schwieriger. Danach wird’s nochmal knackig, meiner Meinung nach mit der schwierigsten Stelle. Man wird von der Felsstruktur leicht abgedrängt, das Seil liegt auch ungünstig und nach guten Tritten muss man gut suchen. Unangenehm ist dabei die Entfernung zur letzten Zwischensicherung, d.h. stürzen ist hier strengstens verboten! Danach hat man es dann aber auch bald geschafft und steht nach dem Ausstieg fast direkt am Gipfelkreuz. Die Aussicht auf den Wilden Kaiser und die Loferer Steinberge kann sich sehen lassen – bei guten
Verhältnissen ist wohl auch der Watzmann zu bewundern. Leider merkt man aber auch gleich wieder, dass man sich in einem Skigebiet befindet, sodass der Abstieg lediglich eine Pflichtübung darstellt. Insgesamt kann ich die Tour vor allem für Frühling und Herbst wirklich empfehlen, im Sommer wird es im Klettersteig sicherlich extrem heiß. Unbedingt mitbringen sollte man Klettersteig- und/oder Klettererfahrung – es gibt keinen Notausstieg und den Steig herunterklettern würde ich unter keinen Umständen wollen!