Montag, 15. Oktober 2012

Mindelheimer Klettersteig

Obwohl ich ja eigentlich dagegen war, mit Klettersteig-Neulingen gleich den hochalpinen Mindelheimer Steig zu machen, ließ ich mich aufgrund deren nachgewiesener Fitness und Bergtauglichkeit am Ende doch überreden, sodass wir am 6. Oktober bei herrlichstem Wetter eine Tour gingen, die letztendlich mich an meine physischen Grenzen brachte...


Da wir in Riezlern im Kleinwalsertal übernachtet hatten, konnten wir nach einem gemütlichen Frühstück bereits um halb acht am Gasthof Schwendle (1176m) starten. Bis zur Fiderepasshütte auf 2066m benötigten wir zwei Stunden, wobei die geniale Aussicht auf den von der Morgensonne beschienenen Hohen Ifen einen regelmäßigen Blick
über die Schulter forderte. An der Hütte gabs dann das oblogatorische zweite Frühstück und eine Einweisung in den Gebrauch eines Kletter-
steigsets. Die Klettergurte behielten wir gleich an und setzten unseren Weg zum Einstieg der Route (ca. 2250m) fort. Schon auf den Metern davor hat man einen wunderbaren Blick auf die Allgäuer Hochalpen mit dem Heilbronner Weg, dem Großen Krottenkopf, dem
Hochvogel und der Höfats. Die andere Seite des Grates präsentiert sich weniger wild und felsig, aber nicht minder schön. Für den Genuss der Aussicht hat man jedoch erstmal keine Zeit mehr, sobald man sich in den Klettersteig begibt. Zwar ist dieser an den kniffligen Stellen gut gesichert, doch ist man dank der kurzen Abstände der Zwischensicherungen sehr
viel mit dem Umhängen der Karabiner beschäftigt, was in der 6m hohen Einstiegsleiter (2. Bild) schon ganz schön Armkraft fordern kann. In recht ausgesetztem Auf und Ab geht es danach weiter am Grat entlang, wobei die vielen senkrechten Felsabschnitte mit Trittbügeln oder Leitern versehen sind, sodass keine besonderen technischen Schwierigkeiten zu meistern sind. Absolute
Schwindelfreiheit, Bergerfahrung und eine sehr gute Ausdauer sollte man allerdings trotzdem mitbringen, da man sich in alpinem Gelände bewegt, welches für etwa vier Stunden auf dem Klettersteig keinen Notabstieg zulässt. Und obwohl man sich am Grat entlang bewegt, überwindet man doch einige Höhenmeter, die sich kraftmäßig irgendwann bemerkbar machen, vor allem, wenn man am gleichen Tag schon aus dem Tal aufgestiegen ist. Hinzu kommt auch noch die Tatsache, dass es immer wieder gänzlich ungesicherte Stellen gibt, von denen zumindest eine
für zwei oder drei Meter durch absolutes Absturzgelände führt (Bild oben; mit Blick zurück auf den bis hierher gesamten begangenen Grat). Wem all diese Dinge jedoch keine Probleme bereiten, wird den gesamten Steig mit seiner abwechslungs-
reichen Routenführung im griffigen Hauptdolomitgestein sicherlich voll genießen können.Viele Stellen lassen es übrigens zu, ausschließlich am Fels zu
klettern und
das Stahlseil nur zur Sicherung zu benutzen, was die Sache natürlich noch viel schöner macht. Ein kurzer Aufschwung (II) muss sogar frei geklettert werden (Bild links). Dieser liegt jedoch so tief in einer Rinne und ist so kurz, dass uns diese Schwierigkeit gar nicht auffiel und wir uns, je näher wir dem Ende des Steigs kamen, immerzu fragten, wann denn die
vermeintliche Schlüsselstelle kommen würde. Dies entwickelte sich während des gesamten Abstiegs zu einem Running Gag, denn obwohl wir wussten, dass sie nicht mehr kommen würde, vermuteten wir hinter jeder Ecke den von mir im Vorfeld so kritisch betrachteten Abschnitt. Bei der Tourenplanung war die IIer-Stelle nämlich der
ausschlaggebende Punkt dafür, dass ich den Steig für zu schwierig und gefährlich hielt. Am Blankenstein fühlte sich die Kletterei im gleichen Schwierigkeitsgrad nämlich überaus herausfordernd an. Und auch wenn wir deswegen die Tour beinahe nicht gemacht hätten, bin ich doch froh, dass ich wohl eher zur vorsichtigeren Sorte gehöre... Wie auch immer, es hat wunderbar geklappt und wir waren alle glücklich, Anfang Oktober nochmal die Chance gehabt zu haben, einen so schönen Klettersteig zu gehen. Zum Abschluss gabs dann sogar noch ein Gipfelkreuz am Kemptner
Köpfl (2191m). Diese fehlen nämlich leider auf den drei Schafalpenköpfen, welche man im Laufe des Steiges überschreitet. Leider, denn erstens ists am Gipfel mit Kreuz einfach immer schöner, und zweitens würde man mit Gipfelkreuzen immer genau wissen, in welchem Teil der Tour man sich gerade befindet und wieviel noch vor einem liegt. Dies ist oft gar nicht so leicht einzuschätzen, da man so viele Erhebungen überklettert, von denen fast jede eine der drei Gipfel sein könnte. Wir staunten demnach nicht nur einmal, als wir in der Ferne Menschen im Fels herumturnen sahen und damit
wussten, dass auch der nächste Zacken noch zum Klettersteig gehört und überwunden werden will. Nachdem dann auch der Abstieg noch gut zwei Stunden beanspruchte, war zumindest ich konditionell ziemlich am Ende, als wir nach elf Stunden wieder am Auto ankamen!

1 Kommentar:

  1. Ein Klassiker in den Allgäuer Alpen. Wem der mindelheimer Klettersteig gefallen hat, sollte auch den Hindelanger Klettersteig machen

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