Samstag, 21. Januar 2012

Ein Wochenende in Pfronten

Es ist zwar jetzt schon ein paar Tage her, doch ich möchte trotzdem gern kurz über mein vergangenes Wochenende berichten. Mit Janina, einer Freundin aus Esslingen, war ich in Pfronten im Allgäu, um mal endlich richtig Winter zu haben. Der eigentliche Grund war, dass wir an einem künstlich aufgebauten Turm Eisklettern gehen wollten. Da es aber selbst auf über achthundert Metern über dem Meeresspiegel in den Wochen zuvor nicht kalt genug war, stand lediglich das Stahlgerüst, sodass wir auf andere Beschäftigungen zurückgreifen mussten - von denen es an der Grenze zu den Alpen genügend gibt. Nach reiflichen Überlegungen stand also für Samstag meine erste Schneeschuhtour an. Als Ziel suchten wir uns den 1687m hohen Schönkahler aus. Mit relativ flachem Gelände und siebenhundert zu bewältigenden Höhenmetern bietet er sich dafür ideal an. Nachdem wir morgens ein wenig getrödelt hatten, kamen wir allerdings erst um kurz vor 11 Uhr am Ausgangspunkt, einem Parkplatz an der Landstraße nach Tannheim, an. Mit Mühe und Not erhaschten wir den letzten "Stellplatz" ohne jemand anders zu sehr zuzuparken. Die Schneeschuhe wurden angeschnallt und los gings! Die ersten Gehversuche sahen sicher lustig aus, aber man gewöhnt sich recht schnell an die breiten Teller unter den Füßen. Lustig war auch das Schild, das mitten im Wald am Weg stand: Achtung Staatsgrenze! Es sprang jedoch kein Zollbeamter hinter einem Baum hervor, also setzten wir unseren Weg fort. Dieser wurde allmählich breiter und der Wald lichtete sich. Doch dafür wurde das Gelände steiler und der Aufstieg mühsamer - bis wir schließlich auf einem Plateau mit einer verschneiten Alm ankamen, wo ein oder zwei Gruppen die Suche von Lawinenverschütteten übten und von wo aus wir den Gipfel des Schönkahler sehen konnten. Einige Höhenmeter standen uns noch bevor... Nach einem kurzen ebenen Stück ging es wieder steiler hinauf auf einen Sattel zwischen Pirschling und unserem Ziel, dann auf dem Rücken bis zum Gipfelkreuz. Bei strahlendem Sonnenschein genossen wir das Panorama mit einer wunderbaren 360 Grad-Rundumsicht! Die Strapazen hatten sich mal wieder gelohnt. Im Gegensatz zum Sommer fällt eine Gipfelrast im Winter allerdings kürzer aus. Nach nur ein paar Minuten ohne Handschuhe schmerzten die Fingerspitzen, also packten wir unsere Brotzeit ein und traten den Rückweg an. Beim Aufstieg dachten wir oft daran, wie schön es wäre, dies mit Ski tun zu können, aber auch mit Schneeschuhen macht ein Abstieg wirklich Spaß. Je tiefer der Schnee ist, desto mehr kann man rutschen und so schnell an Höhe verlieren. Insgesamt brauchten wir für den Aufstieg ziemlich genau 2,5 und für den Abstieg etwas mehr als 1,5 Stunden - letzteres allerdings mit Pausen für Videos und einem kleinen Umweg, da wir nicht gleich die Stelle fanden, von der es am besten vom Sattel wieder bergab ging. Am Auto angekommen zogen wir uns die schweren Schneeschuhe aus und staunten nicht schlecht, wie leicht sich Füße in Wanderstiefeln anfühlen können, wenn man vorher mehrere Stunden mit zusätzlichen Plastikgerüsten an ihnen herumgelaufen ist. Da es gerade einmal 16 Uhr war, beschlossen wir, die geliehenen Schneeschuhe abzugeben und im gleichen Zug Langlaufski auszuleihen. Der Kommentar des Ladenbesitzers: "Ihr wollt jetzt noch Skifahren?" Klar wollten wir, denn schließlich sollte die begrenzte Zeit des Wochenendes ausgenutzt werden. Also packeten wir uns unsere Stirnlampen ein und begaben uns auf die Loipe, die direkt am Gasthaus vorbei lief. Ich habe das Skating ausprobiert, jedoch muss ich sagen, dass ich dann doch lieber Inline Skating mache... Da wir sowieso müde waren und es am nächsten Tag wieder früh raus gehen sollte, begnügten wir uns mit einer kleinen Runde am Dorfrand entlang. Mehr oder weniger spontan riefen wir von unserem Zimmer aus noch bei der Skischule Pfronten an und buchten einen privaten Skikurs für zwei Stunden für den nächsten Tag, was sich als absolut richtige Entscheidung herausstellte. Am Sonntag gab es also um 8 Uhr Frühstück, um 9 wurden die Abfahrtsski geliehen (Kommentar des Ladenbesitzers, bei dem wir ja auch schon Schneeschuhe und Langlaufski geliehen hatten: "Ihr seid ja verrückt!"), und um 9:30 Uhr ging es auf die Piste. Da wir versicherten, dass wir nicht ganz unsportlich seien, mussten wir nicht einmal auf die Kinderpiste :) In den folgenden zwei Stunden lernten wir nicht nur den Pflug, sondern auch das Fahren von Kurven mit parallenen Ski. Um diese Technik zu üben und zu perfektionieren (kleiner Scherz am Rande) fuhren wir - abzüglich einer Mittagspause - bis zur Abschaltung der Lifte weiter. Es hat wirklich Spaß gemacht, und jetzt, eine Woche nach dem Erlebnis, möchte ich schon wieder fahren! Und das, obwohl ich mich nicht nur einmal hingelegt habe... Insgesamt ging das Wochenende wie erwartet einfach viel zu schnell rum. Andererseits muss ich aber auch sagen, dass wir es wirklich gut genutzt haben!

P.S.: Noch ein paar Bilder gibts >> hier.