Samstag, 27. Oktober 2012

Klettersteig "Henne"

Und wieder folgten wir am vergangenen Wochenende dem "Ruf des Eisens": Der Henne-Klettersteig in den Kitzbüheler Alpen stand auf dem Programm. Der Zustieg erfolgte von der Lärchfilzhochalm, zu der man mit dem Auto über eine teilweise sehr steile und zum Ende hin ziemlich ausgesetzte Straße fahren kann. Trotz des traumhaften Wetters (fast 20 Grad auf knapp 2000m) und schon vorgerückter Stunde war nicht allzu viel los, was mich etwas überraschte. Vielleicht liegt es daran, dass das Gebiet eher für Skifahrer interessant ist, die vielen Skilifte und Schneekanonen die Umgebung aber nicht unbedingt zu einem Wanderparadies machen. So war der Weg bis zum Einstieg des Klettersteiges lediglich eine Pflichtübung, für die man zumindest ab Erreichen der Lift-Bergstation vom gigantischen Ausblick auf das Steinerne Meer und die Hohen Tauern inklusive Großglockner und seine gletscherbedeckten Nachbarn entschädigt wird. Auch vom Klettersteig
selbst, der immer wieder von ungesicherten Passagen am sehr schönen Hennen-Grat unterbrochen wird, eröffnet sich ein toller Blick in alle Richtungen. Macht man nur den eigentlichen Steig, bewegt man sich überwiegend in leichtem Gelände (A/B) und hat nur drei steilere Stücke (B) zu überwinden, welche dank ausreichender Trittbügel aber kein Problem darstellen.
Gleich zu Beginn gibt es jedoch die Möglichkeit, eine schwierige (C) oder sehr schwierige (D) Variante zu gehen. Aufgrund einer Erkältung reichte die Kraft bei mir leider nur für den C-Teil, der aber schön angelegt ist und direkt am Anfang mit einer steilen und glatten Wand ohne Tritthilfen aufwartet (siehe Bild links). Wer diese schafft, schafft auch
den Rest der C-Variante "Da'Rassig" (Bild rechts). Schwindelfrei sollte man zwar schon sein, doch habe ich schon ausgesetztere Klettersteige gesehen. Für den nicht durchgehend gesicherten Grat ist natürlich auch Trittsicherheit nötig, ein geübter Bergwanderer wird damit aber keine Probleme haben. Insgesamt eine schöne Tour für Leute, die gerne mal in das Klettersteiggehen hinein- schnuppern möchten. Ohne den C-Teil ist der
eigentliche Klettersteig allerdings sehr kurz, da wie gesagt auch viel Gehgelände dazwischen ist. Theoretisch wäre es aber möglich, erst den A/B-Steig zu machen, dann über den Normalweg wieder zum Klettersteig-Ausgangspunkt zurückzukehren und noch den C-Teil zu machen, sollte man sich unterfordert gefühlt haben. Von dort, wo die beiden (bzw. die drei) Varianten wieder zusammenführen, kann man über den A/B-Steig dann wieder absteigen, um nicht noch einmal zu Gipfel gehen zu müssen. Wir hatten dazu keine Zeit mehr, denn es begann bereits zu dämmern, als wir am Henne-Gipfel standen, sodass wir einen wieder einmal sehr schönen Sonnenuntergang genießen konnten, die letzte halbe Stunde zum Auto aber die Stirnlampen auspacken mussten.

<< Einer der B-Aufschwünge mit Trittbügeln


Am Grat

Warme Abendsonne

Freitag, 19. Oktober 2012

Abenteuer Übungsklettersteig

Gleich eine Woche nach dem letzten Klettersteig stand vergangenen Samstag bereits die nächste Begehung eines Eisenwegs an. Da das Wetter recht unsicher war und es tags zuvor stark geregnet hatte, entschieden wir uns für den Übungsklettersteig auf den Stripsenkopf im Kaisergebirge. Dieser Steig ist in drei Abschnitte unterteilt, welche jeweils nur etwa 40m messen, sodass man (fast) jederzeit abbrechen kann, sollte dies aus irgendeinem Grund nötig sein. Trotzdem würde der mit C bewertete Steig für den mich begleitenden Via-ferrata-Neuling (mit Klettererfahrung) genau die richtige Herausforderung sein – so dachte ich zumindest.

Gleich an der Einstiegsstelle stellte sich heraus, dass die Routenführung sehr anspruchsvoll und mit dem, was ich bisher von C-Klettersteigen kannte, kaum vergleichbar ist. Trittstifte sind nur äußerst sparsam eingesetzt, sodass man sich zumindest tritttechnisch sehr stark am Fels orientieren muss. Und auch das Hochziehen am Seil funktioniert in diesem Steig nicht so 
ohne weiteres. An vielen Stellen ist es so befestigt, dass man ein Herauspendeln nur verhindern kann, indem man sich zusätzliche Griffe im Fels sucht. Und diese sind auch nicht immer auf den ersten Blick als solche zu erkennen. Nach wenigen Metern war mir also klar, dass ich die jeweils schwierigeren (D und E) Ausstiegsvarianten nicht angehen würde, obwohl ich mir den D-Teil eigentlich fest vorgenommen hatte. Nach der 
erfolgreichen Beendigung des ersten Abschnittes überlegten wir gar, ob wir dem Gipfel nicht lieber auf dem Wanderweg entgegen steuern sollten. Eine ausgiebige Pause gab uns jedoch neue Kraft und Zuversicht, außerdem sah der Einstieg des zweiten 
Teils einfach zu verlockend aus. Über eine luftige Querung, bei der man zeitweise nur auf Reibung tritt, also mit fast seinem gesamten Gewicht im Seil bzw. an den eigenen Armen hängt, erreicht man eine noch luftigere Kante, auf der man zumindest kurz pausieren kann. Danach folgt ein Aufschwung, der aber glücklicherweise gute Tritte bietet und somit einfacher und kraftsparender zu klettern ist. Insgesamt ist der zweite Teil der einfachste der drei Abschnitte und auch nur mit B/C bewertet. Der dritte Teil setzt schließlich – zumindest was Exponiertheit und 
Kraftaufwand, angeht – noch einen drauf. Technisch nicht unbedingt schwieriger zu klettern als der erste Teil, kann einem die Ausgesetztheit im steilen Fels doch zu schaffen machen. Gleichzeitig müssen einige Abschnitte recht zügig geklettert werden, da sonst die Arme ganz schnell schlapp machen können. Kurz vor dem Ausstieg ist dann noch eine glatte Felsplatte zu überwinden, bevor man wieder sicheren Tritt hat und die Muskeln entspannen kann.

Im Nachhinein waren wir uns einig, dass es wohl recht gewagt ist, den Eisenweg als Übungsklettersteig zu titulieren, da man „Übung“ irgendwie mit „Anfänger“ assoziiert. Ohne Klettererfahrung und einer gewissen Armkraft sieht man dort allerdings ziemlich schnell alt aus. Da die Abstände der Zwischensicherungen zudem recht weit auseinander liegen und man sich in sehr steilem bis senkrechten Fels bewegt, hätte ein Sturz böse Folgen. Daher auf keinen Fall ohne Helm! Zusätzlich ist noch zu sagen, dass man an einigen Stellen gut 
abwägen muss, wo man genau klettert, da die Routen-
führung nicht immer ganz deutlich zu erkennen ist - ab und zu muss auch über das Seil gestiegen werden.

Auch für mich war der Klettersteig eine Herausforderung, die jedoch sehr viel Spaß gemacht hat und die ich auf jeden Fall gerne noch einmal wiederholen würde. Der Stripsenkopf ist zudem trotz seiner „nur“ 1807 Metern Höhe ein traumhafter Aussichtsberg, von dem einem Zahmer und Wilder Kaiser beinahe zum Greifen nah erscheinen. Vor allem auf den Wilden Kaiser mit seinen extrem steilen und hohen (Nord-)wänden hat man wohl von nirgends sonst einen so schönen Blick (Bild rechts). Zur Krönung des Tages gab es unerwarteterweise von der Terrasse 
des Stripsenjochhauses noch einen atemberaubenden Sonnenuntergang inklusive Wolkenspielen, aufziehendem und sich rosa verfärbendem Nebel sowie Alpenglühen in den Loferer Steinbergen. Der dunkle Abstieg zur Griesneralm war zum Schluss dank Fahrrad- bzw. Stirnlampe kein Problem und das Schauspiel in jedem Fall wert!

Mehr Fotos gibts in den nächsten Tagen auf >> flickr <<

Montag, 15. Oktober 2012

Mindelheimer Klettersteig

Obwohl ich ja eigentlich dagegen war, mit Klettersteig-Neulingen gleich den hochalpinen Mindelheimer Steig zu machen, ließ ich mich aufgrund deren nachgewiesener Fitness und Bergtauglichkeit am Ende doch überreden, sodass wir am 6. Oktober bei herrlichstem Wetter eine Tour gingen, die letztendlich mich an meine physischen Grenzen brachte...


Da wir in Riezlern im Kleinwalsertal übernachtet hatten, konnten wir nach einem gemütlichen Frühstück bereits um halb acht am Gasthof Schwendle (1176m) starten. Bis zur Fiderepasshütte auf 2066m benötigten wir zwei Stunden, wobei die geniale Aussicht auf den von der Morgensonne beschienenen Hohen Ifen einen regelmäßigen Blick
über die Schulter forderte. An der Hütte gabs dann das oblogatorische zweite Frühstück und eine Einweisung in den Gebrauch eines Kletter-
steigsets. Die Klettergurte behielten wir gleich an und setzten unseren Weg zum Einstieg der Route (ca. 2250m) fort. Schon auf den Metern davor hat man einen wunderbaren Blick auf die Allgäuer Hochalpen mit dem Heilbronner Weg, dem Großen Krottenkopf, dem
Hochvogel und der Höfats. Die andere Seite des Grates präsentiert sich weniger wild und felsig, aber nicht minder schön. Für den Genuss der Aussicht hat man jedoch erstmal keine Zeit mehr, sobald man sich in den Klettersteig begibt. Zwar ist dieser an den kniffligen Stellen gut gesichert, doch ist man dank der kurzen Abstände der Zwischensicherungen sehr
viel mit dem Umhängen der Karabiner beschäftigt, was in der 6m hohen Einstiegsleiter (2. Bild) schon ganz schön Armkraft fordern kann. In recht ausgesetztem Auf und Ab geht es danach weiter am Grat entlang, wobei die vielen senkrechten Felsabschnitte mit Trittbügeln oder Leitern versehen sind, sodass keine besonderen technischen Schwierigkeiten zu meistern sind. Absolute
Schwindelfreiheit, Bergerfahrung und eine sehr gute Ausdauer sollte man allerdings trotzdem mitbringen, da man sich in alpinem Gelände bewegt, welches für etwa vier Stunden auf dem Klettersteig keinen Notabstieg zulässt. Und obwohl man sich am Grat entlang bewegt, überwindet man doch einige Höhenmeter, die sich kraftmäßig irgendwann bemerkbar machen, vor allem, wenn man am gleichen Tag schon aus dem Tal aufgestiegen ist. Hinzu kommt auch noch die Tatsache, dass es immer wieder gänzlich ungesicherte Stellen gibt, von denen zumindest eine
für zwei oder drei Meter durch absolutes Absturzgelände führt (Bild oben; mit Blick zurück auf den bis hierher gesamten begangenen Grat). Wem all diese Dinge jedoch keine Probleme bereiten, wird den gesamten Steig mit seiner abwechslungs-
reichen Routenführung im griffigen Hauptdolomitgestein sicherlich voll genießen können.Viele Stellen lassen es übrigens zu, ausschließlich am Fels zu
klettern und
das Stahlseil nur zur Sicherung zu benutzen, was die Sache natürlich noch viel schöner macht. Ein kurzer Aufschwung (II) muss sogar frei geklettert werden (Bild links). Dieser liegt jedoch so tief in einer Rinne und ist so kurz, dass uns diese Schwierigkeit gar nicht auffiel und wir uns, je näher wir dem Ende des Steigs kamen, immerzu fragten, wann denn die
vermeintliche Schlüsselstelle kommen würde. Dies entwickelte sich während des gesamten Abstiegs zu einem Running Gag, denn obwohl wir wussten, dass sie nicht mehr kommen würde, vermuteten wir hinter jeder Ecke den von mir im Vorfeld so kritisch betrachteten Abschnitt. Bei der Tourenplanung war die IIer-Stelle nämlich der
ausschlaggebende Punkt dafür, dass ich den Steig für zu schwierig und gefährlich hielt. Am Blankenstein fühlte sich die Kletterei im gleichen Schwierigkeitsgrad nämlich überaus herausfordernd an. Und auch wenn wir deswegen die Tour beinahe nicht gemacht hätten, bin ich doch froh, dass ich wohl eher zur vorsichtigeren Sorte gehöre... Wie auch immer, es hat wunderbar geklappt und wir waren alle glücklich, Anfang Oktober nochmal die Chance gehabt zu haben, einen so schönen Klettersteig zu gehen. Zum Abschluss gabs dann sogar noch ein Gipfelkreuz am Kemptner
Köpfl (2191m). Diese fehlen nämlich leider auf den drei Schafalpenköpfen, welche man im Laufe des Steiges überschreitet. Leider, denn erstens ists am Gipfel mit Kreuz einfach immer schöner, und zweitens würde man mit Gipfelkreuzen immer genau wissen, in welchem Teil der Tour man sich gerade befindet und wieviel noch vor einem liegt. Dies ist oft gar nicht so leicht einzuschätzen, da man so viele Erhebungen überklettert, von denen fast jede eine der drei Gipfel sein könnte. Wir staunten demnach nicht nur einmal, als wir in der Ferne Menschen im Fels herumturnen sahen und damit
wussten, dass auch der nächste Zacken noch zum Klettersteig gehört und überwunden werden will. Nachdem dann auch der Abstieg noch gut zwei Stunden beanspruchte, war zumindest ich konditionell ziemlich am Ende, als wir nach elf Stunden wieder am Auto ankamen!

Donnerstag, 4. Oktober 2012

Zum zweiten Mal auf die Tschenglser Hochwand

Nachtrag zum Urlaub in Sulden, Südtirol (Juli 2012): Besteigung der Tschenglser Hochwand (3375m) über den Südwand-Klettersteig (Schwierigkeit C)

Obwohl ich normalerweise ja lieber etwas Neues entdecke, als eine Tour nochmal zu gehen, freute ich mich auf diese Wiederholung wirklich sehr. Letztes Jahr war ich trotz Bergführer und zusätzlichem Zug durch das Sicherungsseil von oben nur mit Mühe und Not über die gleich am Anfang aufwartende Schlüsselstelle hinweg gekommen. Jetzt fühlte ich mich der Sache hundertprozentig gewachsen und wollte sehen, wie sehr ich mich in einem Jahr kraftmäßig und vor allem klettertechnisch verbessert hatte. Also machten wir uns abermals auf zur Düsseldorfer Hütte und weiter zum Einstieg des Steiges (ca. 3000m). Wie erhofft hatte ich mit der erwähnten Schlüsselstelle keine Probleme und auch den Rest des Klettersteiges konnte ich in vollen Zügen genießen. Anderthalb Stunden später standen wir bei bester Sicht am Gipfelkreuz und freuten uns über die gelungene Besteigung eines weiteren Dreitausenders!

Die Einstiegsstelle (C), im oberen Teil ohne Trittbügel

Luftig ist der Steig schon! (B)

Noch mehr Ausgesetztheit
 

Hier muss man schon schauen, wo man hintritt (B oder B/C)

Was für eine Aussicht!

Nette Plattenkletterei (B)

Das Gipfelkreuz schon in Sicht

Hier strahlt nicht nur die Sonne

Donnerstag, 20. September 2012

Auf den höchsten Gipfel des Allgäu


Am 7. September setzte ich mich freitags gleich nach der Arbeit in den Zug nach Kempten, um mich dort mit meinen Mitwanderern Diana und Eike zu treffen und die Reise nach Oberstdorf bzw. Spielmannsau, unserem Nachtquartier, fortzusetzen. Am nächsten Tag saßen wir zum frühestmöglichen Zeitpunkt um 7:30 Uhr
abmarschbereit beim Frühstück, um danach schnell aufbrechen zu können. Am liebsten hätte ich dies noch eher getan, denn wir hatten einiges vor: Von Spielmannsau (etwa 1000m) zur Kemptner Hütte (1844m) und weiter zum Großen Krottenkopf (2656m), "dank" eines kleinen Gegenanstiegs insgesamt 1700 Höhenmeter! Runter sollte es dann nur noch zurück zur Hütte gehen, wo wir unsere Schlafplätze reserviert hatten. Schon tags zuvor war auf der Homepage derselben zu lesen: "Am 8.9. gibt es keine Übernachtungsmöglichkeit mehr!" - es würde also voll werden, und das bei
über 250 Betten und Lagern. Leider konnten wir unser Schlafquartier noch nicht beziehen, als wir gegen halb elf ankamen, daher verstauten wir einige überflüssige Sachen im ziemlich feuchten Trockenraum. Nach einer kurzen Pause ging es dann um 11 Uhr Richtung Gipfel, der nach Erklimmen des Oberen Mädelejochs erstmals in unserem Blickfeld lag (Bild links). Von dort aus geht es erst einmal wieder ein wenig bergab, dann relativ eben, aber auf schönem Pfad bis zur nächsten Abzweigung. Das folgende Stück ist dann eher Arbeit, da man unendlich viele Schutt-Serpentinen hinter sich bringen muss, um die Krottenkopfscharte (2350m) zu erreichen, an der sich schon viele Wanderer zu einer Rast niedergelassen hatten. Wer übrigens mit den ein oder zwei bis hierher zu überwindenden Kraxelstellen Probleme hat, sollte von einer Gipfelbesteigung Abstand nehmen, denn ab der Scharte bewegt man sich fast ausschließlich in mit
feinem Schotter bedecktem Fels, der gerade beim Abstieg zur Vorsicht mahnt. Richtige Kletterstellen sind leider spärlich gesät, jedoch bieten die letzten Meter
zum Gipfel noch einmal Nervenkitzel. Über einen sehr ausgesetzten Grat erreicht man das Kreuz und damit den höchsten Punkt der Allgäuer Alpen. Einen tollen Blick hat vor allem auf den markanten Hochvogel (siehe Titelbild), den Heilbronner Weg und den Hohen Ifen. In der Ferne glänzte dank grandiosem Wetter die Wildspitze (3768m), und auch Parseierspitze (einziger 3000er der Nördlichen Kalkalpen) sowie Hoher Riffler (3168m) und Hohe Geige (3393m) konnten im Nachhinein auf den
Panoramafotos identifiziert werden. Ausgiebig genossen wir den Ausblick und die warmen Sonnenstrahlen, bevor wir uns gegen halb drei auf den Rückweg machten. Dieser gestaltete sich noch ein wenig "abenteuerlich", da ich schon während des Aufstiegs mein Wasser aufgebraucht hatte und wir am Gipfel die letzte Dose Cola geteilt hatten. Glücklicherweise spendete uns Mutter Natur aus ihren Bergbächen einige erfrischende Schlucke, sodass wir die zweieinhalb Stunden Marsch zur Kemptner Hütte gut bewältigten. Trotzdem waren wir am Ende einfach nur froh, den Abend nach einer anspruchsvollen und anstrengenden 7,5-Stunden-Tour im bis auf den letzten Platz besetzten Gastraum ausklingen lassen zu können.

Am nächsten Tag ging es dann nach Holzgau, von wo aus ich mit dem Bus durchs wunderschöne Lechtal nach Reutte und nach Hause fuhr.



Der Heilbronner Weg (Bildmitte) und der Hohe Ifen (ganz rechts im Hintergrund) beim Aufstieg zur Scharte

Blick gen Süden: Auffällig weiß die Wildspitze und ganz rechts ebenfalls markant die Parseierspitze

Abendrot an der Hütte

Montag, 10. September 2012

Schinderei in den Bayerischen Voralpen

Es ist zwar jetzt schon ein wenig her, doch ich werde nun trotzdem kurz von der ersten Bergtour nach meinem Urlaub auf knapp 1900 Metern berichten. Diese führte mich am 11. August leider nicht wie geplant auf einen Zweitausender, sondern "nur" zum Schinder, der zumindest mit zwei Gipfeln auftrumpfen kann: Dem Österreichischen Schinder (1808m), auch Trausnitzberg genannt, und dem Bayerischen Schinder (1796m), der trotz seiner etwas niedrigeren Höhe den anspruchsvolleren Aufstieg bietet. Los gings am Forsthaus Valepp, von wo aus man über einen sehr schönen und recht langen, dafür jedoch nur sanft ansteigenden Pfad die Trausnitzalm erreicht. Nach einer kurzen Pause ging es von dort auf den ersten Gipfel, den ich nach zwei Stunden reiner Gehzeit (908 Höhenmeter Aufstieg) erreichte. Überhaupt fühlte ich mich unglaublich fit, was wohl daran lag, dass ich noch immer die Luft auf über 3000m gewöhnt war. Jedenfalls nahm ich als einzige der doch recht zahlreichen Menschen auf dem Trausnitzberg den Gipfel des Bayerischen Schinders in Angriff. Zunächst ging es einige Meter durch Latschen, dann folgte ein kurzer, aber steiler und mit Drahtseilen gesicherter Abstieg, der mich zum Schindertor führte. So bezeichnet wird die
Scharte zwischen den beiden Gipfeln, von wo aus man durch das Schuttkar ab- (oder auch auf-) steigen kann. Ich ahnte schon, dass dies kein schöner Abstieg werden sollte, doch erstmal sollte es ja auf den zweiten Gipfel gehen. Gelohnt hat sich der teilweise unangenehm schottrige Anstieg nicht unbedingt, da die Sicht noch immer sehr schlecht und das Gipfelkreuz noch bescheidener war. Den anschließenden Weg durch das Schinderkar hinunter nach Valepp kann ich dann nur noch mit "anstrengend" bezeichnen, da im steilen Geröll nahezu jeder Schritt höchste Vorsicht verlangte. Den
Weg muss man sich dort selbst suchen, und vielleicht habe ich auch nicht immer den besten erwischt. So richtig abfahren, wie ich es in vielen Berichten gelesen hatte, konnte ich nur an wenigen Stellen, wo die Steine die richtige Größe aufwiesen und zahlreich genug vorhanden waren. Froh war ich über die Tatsache, dass meine Nachsteiger so weit entfernt waren, dass die von ihnen losgetretenen Steine mich nicht erreichen konnten. Bei stärker Frequentierung würde mir ohne Helm sehr mulmig werden! Als Fazit kann man wohl festhalten, dass man einen weiten Bogen um das Schinderkar machen sollte, wenn man wie ich absolut kein Fan von steilem Schotter ist. Der Blick vom Schindertor hinunter ist allerdings definitv einen Besuch wert, genauso wie der schöne Anstieg über die Trausnitzalm.

Freitag, 10. August 2012

Südtiroler Königstour - Der Gipfel

- Fortsetzung vom vorletzten Beitrag

Da wir schon ab vier Uhr nicht mehr schlafen konnten, war das Aufstehen nicht so schlimm wie befürchtet. Auch für die rudimentäre Körperpflege am Morgen konnten wir uns Zeit lassen und hatten das große Waschbecken im Flur zunächst für uns alleine, da alle anderen Gipfelstürmer noch schliefen. Um halb fünf
saßen wir pünktlich am Frühstückstisch, der schon mit Brot und allen möglichen Aufstrichen gedeckt war. Dazu gab es Kaffee, der ruhig ein wenig stärker hätte sein können. Aber was solls, so früh am Morgen bekommt man eh nicht viel runter. Nochmal schnell Rucksack und Inhalt überprüft, dann ging es vor die Hütte. Mittlerweile war es etwa fünf Uhr morgens und die Dämmerung schon in vollem Gang, sodass wir keine Stirnlampen benötigten. Der Bergführer nahm uns ans Seil und wir starteten zunächst gemütlich auf einem schmalem Bergpfad. Bald jedoch
wurde es felsiger und steiler. Ein Genuss! Fester und griffiger Fels, wunderbare Tiefblicke, dazu ein umwerfender Sonnenaufgang und gute Stimmung. Ein bisschen Stau gab es am sogenannten "Wandl" (hier ein gutes Bild), eine mit Ketten entschärfte, gut 35m hohe Felswand, die es zu durchklettern gilt. Da es dort ausreichend Sicherungsmöglichkeiten gibt, und wir uns mit unserem
Bergführer absolut sicher fühlten, konnten wir uns absolut aufs Klettern konzentrieren und jeden Schritt genießen - jedenfalls ging es mir so. Auch die folgende Gratkletterei mit schaurig-schönen Tiefblicken zu beiden Seiten machte richtig Spaß. Man muss an dieser Stelle aber auch dazu sagen, dass wir sehr viel Glück mit dem Wetter hatten. Obwohl es Tage vorher noch richtig viel Schnee gegeben hatte, war der Fels trocken und nirgends mit einer gefährlichen Eisglasur
übersehen. Nach einer kurzen Querung eines aus zusammengefrorenen Steinchen bestehenden Hangs war es an der Zeit, die Steigeisen anzuziehen. Voll motiviert ging es über feinsten Knusper-Firn zur ersten Schwierigkeit des Gletschers. Hier muss eine kurze Stelle mit der Frontalzacken-Technik überwunden werden, da sie zum normalen Gehen zu steil ist. Auf dem Rückweg wurden wir daher an einer nicht weit entfernten Stelle über den
Tschierfegg-Felsen abgeseilt, doch dazu später mehr. Am Lombardi-Biwak stand nun nach knapp zwei Stunden die erste Pause an. Wir lagen gut in der Zeit und hatten in der Zwischenzeit sogar eine Seilschaft überholt. Das nächste steile Stück hatte es dann aber wieder in sich. Ich merkte, wie meine Fußgelenke zu
schmerzen begannen, und auch die Kraft in den Beinen ließ nach. Oben angekommen forderten wir eine weitere Pause, doch unserer Bergführer meinte nur, wir ständen auf einer riesigen Spalte, daher müssten wir weiter gehen. Brav, aber erschöpft folgten wir ihm zu einer ungefährlichen Stelle, wo wir kurz anhielten und den Puls wieder etwas beruhigen konnten. Mittlerweile war die Höhe doch leicht zu spüren, gepaart mit einer allgemeinen Erschöpfung nach über zwei Stunden Aufstieg. Allzu lang wollten wir
aber auch nicht stehen bleiben, denn auf dem oberen Ortlerplatt wehte ein starker und eisiger Wind, dessen Böhen mich einige Male aus der Bahn warfen. Im nächsten Augenblick war es dann wieder absolut windstill... Auf jeden Fall konnten wir bereits das Gipfelkreuz sehen und Richtung Stilfserjoch und der weit entfernten Bernina das zu erwartende Panorama erahnen. Als wir dann endlich am Gipfel ankamen, wurde mir wie so viele Male zuvor klar, warum man sich die Mühen eines strapaziösen Aufstiegs antut. Der Ausblick war einfach atemberaubend! Dazu das
unbeschreibliche Gefühl, es bis ganz nach oben geschafft zu haben - einfach herrlich. Wir hatten ab der Payerhütte drei Stunden und etwa 15 Minuten gebraucht, was gar nicht mal schlecht für eine Dreierseilschaft plus Bergführer ist. Natürlich durfte das Gipfelbild nicht fehlen, doch aufgrund des kalten Windes hielten wir es nicht sonderlich lange am
höchsten Punkt aus. Wir stiegen daher ein kleines Stück ab und machten an einer windgeschützteren Stelle Rast. Beim weiteren Abstieg kamen uns dann einige Seilschaften entgegen, wobei mir klar wurde, dass es wohl wirklich das beste ist, wenn man als erstes oben ist. So wird man nicht auf den letzten Metern (oder sogar schon auf den ersten) von bereits erfolgreichen Bergsteigern begrüßt und ermuntert, durchzuhalten. Bis zum Rand des Ortlerplatts konnte man auch endlich während des Gehens mal den Blick schweifen lassen, doch dann
wurde es wieder ernster und jeder Schritt forderte Konzentration. Wir waren am zweiten Steilstück angekommen, welches von oben betrachtet um ein vielfaches furchteinflößender aussieht, da man die unweigerlichen Konsequenzen eines Ausrutschers direkt vor Augen hat: Eine Schlitterpartie über den Gletscher bis zum Sturz in eine der vielen offenen
Spalten. Damit es nicht soweit kommen konnte, sicherte uns unser Bergführer an der heikelsten Stelle zusätzlich mit einer Eisschraube. Kurz darauf wollte ich (mal wieder) meinen Augen nicht trauen. Ein sicherlich über 60 Jahre alter Mann kam uns alleine und statt mit Eispickel mit Wanderstöcken entgegen... (Dazu muss man wissen, dass der Pickel im Falle eines Sturzes als Bremsgerät unerlässlich ist.) Die Wahrscheinlichkeit, in eine verdeckte Spalte zu stürzen, tat er als winzig klein ab und machte sich gut gelaunt an den weiteren Aufstieg. Wir konnten nicht mehr als den Kopf schütteln und setzten
ebenfalls unseren Weg fort. An den Tschierfegg-
Felsen war noch einmal Rast angesagt, bevor das wohl Spaßigste der gesamten Unternehmung anstand: Abseilen! Den Jungs war es anscheinend ziemlich mulmig, als sie sich nacheinander an den Rand des etwa 15m hohen Abgrundes stellen mussten, um von dort aus langsam am Seil abgelassen zu werden. Ich kannte sowas ja vom Klettern, aber mit Steigeisen ist das Abstoßen von der Wand doch noch einmal kniffliger. Leider war die Schwebepartie schnell wieder vorüber und die letzten Meter auf dem Gletscher standen an. Nachdem wir die Steigeisen verstaut hatten, legten wir das nächste Stück wieder auf dem am Morgen noch aus einem brettharten Gemisch von Kieselsteinen und Eis bestehenden Hang zurück, der nun, fünf Stunden später, deutlich schottiger und damit rutschiger war. Dies zeigt anschaulich, wie wichtig es ist, solche durch das Auftauen der Eisschicht
steinschlaggefährdeten Stellen früh am Morgen oder in der Nacht zu passieren. Der Abstieg über die Felsen war schließlich wieder genussvoll, wobei man hier wohl erwähnen sollte, dass man am Ende noch einmal einige Meter aufsteigen muss, da es ganz zu Beginn der Tour zunächst ein wenig nach unten geht. Auch auf den letzten Metern hieß es, konzentriert
am Abhang entlang zu steigen, bis wir schließlich um 11:30 Uhr wieder an der Payerhütte standen und uns auf ein leckeres Getränk und etwas warmes zu Essen freuten - schließlich war nun bereits Mittagszeit und ich hatte seit dem Frühstück nur einen Powerriegel gegessen. Nachdem wir uns mit Toni noch die Bilder auf der Kamera angesehen hatten, nahmen wir glücklich und stolz die restlichen 700 Höhenmeter hinunter nach Sulden in Angriff.

Ich denke, man kann meinen vorherigen Ausführungen schon entnehmen, dass mir die Tour einfach wahnsinnig viel Spaß gemacht hat. Die Bedingungen, das Wetter, die Menschen, meine persönliche Konstitution - es hat einfach alles gestimmt. Nächstes Jahr dann über den Hintergrat auf diesen wunderschönen Berg!